Was ist IFS

IFS steht für Internal Family Systems (deutsch: System der Inneren Familie) und hat seine Ursprünge in der Psychotherapie. Entwickelt wurde IFS vom amerikanischen Psychologen Dr. Richard Schwartz. Die Methode geht davon aus, dass jeder Mensch in sich eine „Innere Familie” hat – verschiedene Teilpersönlichkeiten, die miteinander interagieren. 

Im Zentrum des IFS-Modells steht das Konzept des „Selbst“. Das Selbst ist ein unzerstörbarer, weiser und mitfühlender Wesenskern, der in jedem existiert. Er ist verbunden mit Qualitäten wie Zuversicht, Interesse, Mut, Kreativität und Klarheit. Wenn das Selbst die Führung übernimmt, kann es die verschiedenen Persönlichkeitsanteile leiten und harmonisieren.

Der unzerstörbare Kern

Heilende Kraft im Innern

Durch verletzende Erfahrungen entwickeln manche Teile beschützendes Verhalten (siehe „Manager” und „Feuerbekämpfer”), das nicht mehr ihrem wahren Wesen entspricht. Diese Rollen können extrem ausgeprägt sein. Grundlegend in Arbeit mit dem System der inneren Familile ist die Vorstellung, dass sämtliche Persönlichkeitsanteile gute Absichten haben. Sie versuchen, auf Basis ihres erlernten Verhaltens die Sicherheit des Menschen zu gewährleisten.

Veränderung und Heilung geschehen, wenn Teile vom Selbst in ihrer positiven Absicht wahrgenommen werden. Indem sich das Selbst mit offenem Interesse den inneren Anteilen zuwendet und diese in vollem Umfang annimmt, ist Transformation möglich. Sie haben dann die Möglichkeit, wieder zu ihren ursprünglichen, gesunden Verhaltensweisen zurückzukehren.

„Es gibt einen weiteren Schlüsselbegriff im IFS-Modell, der es von anderen Ansätzen unterscheidet. Es handelt sich dabei um die Überzeugung, dass jeder Mensch neben seinen Teilen ein Selbst ist, das sich durch entscheidende Führungsqualitäten wie Perspektive, Vertrauen, Mitgefühl und Akzeptanz auszeichnet. Meine Arbeit mit Hunderten von Klienten über mehr als ein Jahrzehnt, darunter solche mit schwersten Missbrauchserfahrungen und entsprechend heftigen Symptomen, hat mich davon überzeugt, dass jeder Mensch dieses gesunde und heilende Selbst in sich trägt, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass viele von ihnen zunächst sehr wenig Zugang dazu haben.“

Richard Schwartz

Begründer des IFS-Modells

Die Qualitäten

Das Selbst in Führung

In einem optimal funktionierenden System agiert das Selbst als Führung, die das System der inneren Persönlichkeitsanteile leitet. Das IFS- Modell weist dem Selbst die Qualitäten der 8 C’s zu:

Courage (Mut)

Mut bedeutet, bereit zu sein, sich schwierigen Emotionen oder inneren Teilen zu stellen, auch wenn es unangenehm ist. Es ist die Stärke, sich dem zu stellen, was wir normalerweise vermeiden.

Clarity (Klarheit)

Klarheit ist die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, ohne dass Emotionen wie Angst oder Wut die Sicht trüben. Sie hilft dabei, die innere Welt mit Einsicht zu durchdringen.

Compassion (Mitgefühl)

Mitgefühl bedeutet, den inneren Teilen, insbesondere denen, die verletzt oder in Schwierigkeiten sind, Wärme, Freundlichkeit und Verständnis zu schenken. Es ist die Grundlage für Entlastung.

Calmness (Ruhe)

Die Fähigkeit, ruhig und geerdet zu bleiben, selbst in stressigen Situationen. Ruhe ermöglicht klares Denken und hilft, innere Teile zu beruhigen, die sich ängstlich oder überwältigt fühlen.

Confidence 

(Selbstvertrauen)

Selbstvertrauen entsteht aus dem Wissen, dass das Selbst die innere Systemführung und Heilung übernehmen kann. Es beinhaltet das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Emotionen und innere Teile fürsorglich zu begleiten.

Connectedness (Verbundenheit)

Ein Gefühl der Verbundenheit mit allen Anteilen und anderen Menschen spüren oder wünschen. Gewahrsein, dass alles Leben miteinander verbunden ist.

Curiosity (Neugier / Offenes Interesse)

Diese Qualität fördert Offenheit und das aufrichtige Verlangen, die inneren Teile ohne Urteil zu verstehen. Neugier ermutigt dazu, die Gefühle und Motivationen der verschiedenen inneren Teile zu erkunden.

Creativity

(Kreativität)

Diese Qualität beinhaltet die Fähigkeit, neue Lösungen oder Perspektiven zu finden. Kreativität hilft dabei, innere Konflikte zu lösen oder verletzte Teile zu versorgen.

Innere Familie

Unsere Persönlichkeitsanteile

Das IFS-Modell unterscheidet zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen, die alle eine wichtige Rolle im inneren System eines Menschen spielen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den Beschützern, die sich in Manager und Feuerbekämpfer unterteilen, und den Verbannten.

Manager

Manager versuchen proaktiv, potenziell schmerzhafte Gefühle im Leben zu vermeiden. Manager-Anteile bringen uns unter anderem dazu, dass wir uns besonders angepasst verhalten. Häufig lassen sie uns freundlich und aufmerksam reagieren und Aufgaben schnell und sorgfältig erledigen. Andere Manager-Anteile lassen uns Konflikte vermeiden oder treiben uns zu ständiger Selbst-Optimierung an. Kurzum, Manager sorgen dafür, dass wir uns in der Gesellschaft zurechtfinden und anerkannt werden.

Feuerbekämpfer

Feuerbekämpfer treten in Aktion, wenn sie befürchten, dass alte, schmerzhafte Erfahrungen sich wiederholen. Sie versuchen, unangenehme Gefühle abzuwehren oder zu betäuben. Feuerbekämpfer können sich unter anderem in Form von Wutanfällen, Dissoziation, Süchten oder in selbstverletzendem Verhalten ausdrücken.

Verbannte

Verbannte sind Persönlichkeitsanteile, deren traumatisch verursachte und oft überwältigenden Gefühle aufgrund ihrer Intensität im aktuellen Leben verdrängt werden. Sie tragen Lasten wie Schuld und Scham, Verzweiflung und Hilflosigkeit, Trauer und Wut. Im IFS-Prozess werden verbannte Persönlichkeitsanteile bewusst und können durch die heilsame Beziehung mit dem Selbst von ihren Lasten befreit werden. Kreativität, Leichtigkeit, Humor und Lebensfreude kehren ins Leben zurück.

Grundannahmen

Was das IFS-Modell auszeichnet

Alle Menschen haben ein Selbst

Alle Anteile haben eine gute Absicht

Menschen haben innere Persönlichkeitsanteile, die wie in einem Familiensystem selbständig miteinander interagieren

Das Selbst kann mit den Anteilen kommunizieren

Anteile können nicht verloren gehen

Arbeit an der Basis

Deshalb wirkt IFS

Selbstführung

IFS stärkt die Verbindung zu deinem inneren Kern – statt dich weiter zu optimieren.

Mitgefühl

Jeder Anteil hat einen guten Grund. Verständnis ersetzt inneren Kampf.

Klarheit

IFS bringt Ordnung in innere Prozesse – und eröffnet neue Handlungsspielräume.

Vorteile

Gute Gründe, IFS zu lieben

Mitgefühl als Grundlage

IFS respektiert die innere Ökologie des Einzelnen und größerer sozialer Systeme.

Stärkung der Selbstwirksamkeit

Das Selbst wird als weise, kompetent und unverletzt betrachtet – erlernte Fähigkeiten werden Teil des gesunden Bewältigungssystems.

Widerstand als Zugang

Widerstand wird als wertvoller Hinweis auf zentrale Themen gesehen und ermöglicht ein souveränes Arbeiten mit Ängsten und Kontrollbedürfnissen.

Breite Anwendbarkeit

IFS lässt sich auf individuelle, interpersonale und gesellschaftliche Themen anwenden.

Keine Retraumatisierung

IFS hilft, schmerzhafte Erinnerungen ohne Retraumatisierung zu verarbeiten.

Effektive Emotionsregulation

IFS bietet eine verlässliche Methode, um Gefühle und Stimmungen nachhaltig zu regulieren.

Wissenschaft

Anerkennung der IFS Methode

In den USA verbreitet sich IFS seit Jahren bei Psychotherapeut:innen und Berater:innen, denen die Selbstführung ihrer Klient:innen ein Anliegen ist.

2015 wurde IFS im damaligen NREPP-Register der SAMHSA als evidenzbasiertes Verfahren geführt. Zugleich ist die wissenschaftliche Evidenzlage derzeit noch schmaler als bei lange etablierten psychotherapeutischen Verfahren, auch wenn aktuelle Übersichtsarbeiten IFS als vielversprechenden Ansatz beschreiben. Der Verein begrüßt daher Forschungsvorhaben, die die Wirksamkeit von IFS weiter wissenschaftlich untersuchen.

In Deutschland sind einige IFS-Fortbildungen von der jeweiligen Landespsychotherapeutenkammer akkreditiert.

IFS Lernen

Fortbildungsinstitute

Es gibt viele Möglichkeiten, IFS kennenzulernen und zu erlernen. Hier stellen sich die deutschen und internationalen Institute vor.

IIFS Institut Berlin

Irmgard Schmelcher-Haimerl ist sowohl Gründerin des Berliner Instituts als auch Mitglied im Kernlehrteam des Heidelberger Instituts, mit dem eine enge Kooperation besteht. Sie war auch mehrere Jahre Vorstand im IFS Germany Verein (2015-2019). Das Institut bietet sowohl Einführungsseminare als auch die Grundausbildung an.

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Details

  • unabhängiges Institut
    • kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten der Institute München und Heidelberg
    • nicht kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten vom IFS Institute in USA und dessen Partnerinstituten (Level 2, Level 3 und Zertifizierung)
  • Anerkennung von Fortbildungspunkten für psychologische PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen über die Landespsychotherapeutenkammern Baden-Württemberg und Berlin

Seminarorte

Berlin, Penzberg, Worpswede, Online

Module & Abschlüsse

Zwei Stufen bestehend aus Grundausbildung, Aufbaukurse

Zertifizierung

IIFS-Therapeut:in oder -Berater:in

Teilnahmevoraussetzung

Abgeschlossener Einführungsworkshop

Leitung

Irmgard Schmelcher-Haimerl

IIFS Heidelberg

Dr. med. Uta Sonneborn ist eine ehemalige Schülerin des IFS-Begründers Dr. Richard Schwartz und hat ihr eigenes Institut 2014 gegründet und bietet seitdem Basis- und Aufbautrainings an. 2017 wurde das Institut um den Zweig der professionellen Selbstfürsorge erweitert. Es besteht eine direkte Kooperation mit dem Institut Berlin.

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Details

  • unabhängiges Institut
    • kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten der Institute Berlin und München
    • nicht kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten vom IFS Institute in USA und dessen Partnerinstituten (Level 2, Level 3 und Zertifizierung)
  • Anerkennung von Fortbildungspunkten für psychologische PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen über die Landespsychotherapeutenkammern Baden-Württemberg und Berlin

Seminarorte

Heidelberg, Hamburg

Module & Abschlüsse

Zwei Stufen bestehend aus Grundausbildung, Aufbaukurs

Zertifizierung

IIFS-Therapeut:in oder -Berater:in

Teilnahmevoraussetzung

Abgeschlossener Einführungsworkshop

Leitung

Dr. med. Uta Sonneborn

IFS Institut München

Das IFS-Institut München wurde 2014 von Eva Orinsky und Marlene Fellner gegründet, die beide ehemalige Schülerinnen des IFS-Begründers Dr. Richard Schwartz sowie Gründungsmitglieder des IFS Germany Vereins sind. Das Institut bietet ein vielfältiges und stetig wachsendes Angebot an Einführungsworkshops, Basis- und Aufbautrainings. Mittlerweile umfasst es ein Team von rund 16 TrainerInnen und ist an mehreren Standorten aktiv.

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Details

unabhängiges Institut

  • kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten der Institute Berlin und Heidelberg
  • nicht kombinierbar mit den Ausbildungsangeboten vom IFS Institute in USA und dessen Partnerinstituten (Level 2, Level 3 und Zertifizierung)
  • Anerkennung von Fortbildungspunkten für psychologische PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen über die Landespsychotherapeutenkammern Bayern und NRW

Seminarorte

Berlin, Hamburg, Köln, München, Nürnberg, Wien und Online

Module & Abschlüsse

Drei Stufen bestehend aus Basistraining, Aufbautraining, Masterclass

Zertifizierung

IFS-Therapeut:in oder -Coach

Teilnahmevoraussetzung

Abgeschlossener Einführungsworkshop

Leitung

Eva Orinsky, Marlene Fellner

IFS Institute International

Das IFS Institute wurde 2000 von Dr. Richard Schwartz, dem Begründer von IFS, ins Leben gerufen und hat seinen Sitz in Illinois, USA. Mittlerweile gibt es zahlreiche zertifizierte Partnerinstitute auf der ganzen Welt (u.a. England, Spanien, Portugal, Frankreich, Polen, Australien, Neuseeland, Korea, Russland, Israel). Es bietet u.a. Ausbildungen (Level 1-3, Assistenz- u. Trainerausbildung) sowie die beiden Onlineformate IFS Online Circle und das IFS Continuity Program an. Zudem richtet es eine jährlich stattfindende Konferenz in den USA und online aus.

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Details

Zertifikat durch das offizielle Institut des Gründers – die Kurse sind kombinierbar mit anderen offiziellen Partnerinstituten weltweit

Seminarorte

international | online

Leitung

Dr. Richard Schwartz

IFS Akademie

Die IFS Akademie wurde von Alexandra Frot und Anke Lang gegründet. Sie bietet die vom internationalen IFS Institute anerkannten Trainings Level 1 und 2 für Psychotherapeut:innen und verwandte Berufe an. Diese sind kombinierbar mit Fortbildungen des IFSI und dessen Partnerinstituten. Das Angebot wird laufend erweitert. Dazu gehören Einführungsworkshops zu IFS sowie Supervisions- und Praxisgruppen.

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Details

Darüber hinaus bietet die IFS AKADEMIE themenbezogene IFS Workshops an für jede:n, der sich selbst mit IFS verwirklichen und persönlich wachsen möchte.

Seminarorte

deutschlandweit, online

Module & Abschlüsse

Level 1-2 > Mehr Infos

Zertifizierung

Zertifizierung durch das IFSI zum IFS-Therapeuten oder IFS-Practitioner

Teilnahmevoraussetzung

Level 1-2

Leitung

Anke Lang & Alexandra Frot

Der Begründer

Über Richard Schwartz

Dr. Richard C. Schwartz, der Begründer des Internal Family Systems (IFS)-Modells, promovierte 1980 in Paar- und Familientherapie an der Purdue University. Er arbeitete anschließend an der University of Illinois in Chicago und dem Family Institute der Northwestern University, wo er als außerordentlicher Professor tätig war. Durch seine klinische Arbeit erkannte er, dass Menschen verschiedene innere Anteile in sich tragen, was zur Entwicklung des IFS-Modells führte. Dr. Schwartz ist Autor mehrerer Bücher, darunter „Internal Family Systems Therapy“ und „Introduction to the Internal Family Systems Model“, und Mitglied der American Association for Marriage and Family Therapy.

2000 gründete Dr. Schwartz das Center for Self Leadership, heute IFS Institute, das sich der Weiterentwicklung des IFS-Modells widmet. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Behandlung von Essstörungen, Traumata und Missbrauch. Er bietet weltweit Schulungen an und engagiert sich leidenschaftlich für soziale Themen wie Gewalt, Rassismus und Unterdrückung. Dr. Schwartz ist ein gefragter Redner, geschätzter Lehrer und bekannt für seine warme, einfühlsame Art.